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Die Hamburger Mazzefabrik: kreisrunde Mazzes
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auch: Mazzoth, Mazzot, Matzen
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I. Eine
(er)bauliche Geschichte
(gemäß: Irmgard Stein, Jüdische Baudenkmäler in Hamburg,
1984)
Eine
Hamburger Besonderheit soll nicht unerwähnt bleiben:
die
Mazzoth-Fabrik des Deutsch-Israelitischen Synagogen-Verbandes Hamburg
von
Leopold Katz, Kohlhöfen Nr. 20.
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Das für das Pessachmahl im häuslichen Familiengottesdienst
ungesäuerte Brot wurde jahrhundertelang, zumeist von mehreren Hausfrauen, gemeinsam
zubereitet. Später übernahmen kleinere Bäckereien das mühselige Geschäft,
das „Brot der Armut", Brot der Knechtschaft herzustellen; es wurde
endlich zum "Brot der Befreiung", als unsere Väter aus Ägypten
auszogen. Die rituellen Vorschriften wurden immer eingehalten - unter
rabbinischer Aufsicht.
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Im Jahre 1890 entschloss
man sich in Hamburg, Industrie und Technik in den Dienst dieser Sache zu
stellen. Auf dem Grundstück der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, Breiter
Gang 42, und einem Streifen des Grundstücks hinter der Kohlhöfen-Synagoge
wurde 1892 eine Mazzoth-Fabrik errichtet, welche 1893 die maschinelle
Produktion von Mazzoth übernahm. Zwar geschah das Zureichen und Einrichten
zunächst noch weitgehend von Hand, aber im Laufe der Jahre wurden die
Maschinen immer mehr modernisiert, so dass ein großer Teil der jüdischen
Bevölkerung Deutschlands mit denen in Hamburg hergestellten Mazzoth versorgt
werden konnte.
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Durch den Verkauf des Grundstücks Kohlhöfen fiel auch
die Mazzoth-Fabrik Ende 1934 dem Abbruch zum Opfer. Neue Räume für die
Aufstellung der Maschinen wurden jedoch bald gefunden, und zwar im benachbarten
Wandsbek, im Gebäudekomplex einer Kakao- und Schokoladenfabrik... Hier fand
die Mazzoth-Fabrik eine neue Betriebsstätte, so dass sie ihre Kunden – vor
allem auch die großen orthodoxen Gemeinden in Berlin, Frankfurt a.M.,
Leipzig usw. – zum Pessachfest 1935 wieder mit den von ihr hergestellten
kreisrunden Mazzoth beliefern konnte.
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Eine bauliche Besonderheit
verband die neue Mazzoth-Fabrik mit der in der Vergangenheit benachbarten
Kohlhöfen-Synagoge: die Tür der Kohlhöfen-Synagoge wanderte mit nach
Wandsbek; diese Tür, die vorher in den Hauptraum der Synagoge geführt
hatte, wurde nun zum Eingangstor zu der Fabrik, „um die Erinnerung an eine
der historischen Stätten der Hamburger Judenheit in einem der religiösen
Ausübung geweihten Betrieb festzuhalten“.
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